Aus dem Kapitel: „die Krankenstation“ (S. 170)

… Die Stimmung in dieser riesigen Halle ist trostlos. Allein in den drei Stunden, die Stella und Bernd bisher nun schon dort sind, sterben zehn Patienten. Sie werden vorher mit Morphium beruhigt, damit sie die letzten Qualen nicht mehr mitbekommen. Sie sterben einfach so dahin, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun kann. … Man munkelt, dass die Patienten aus den Krankenhäusern in diese Turnhalle verlegt werden, wenn HELK festgestellt wird und keine Hoffnung mehr besteht. Manche kommen auch direkt hierher …

Aus dem Kapitel: „Tumulte in der Stadt (S. 173)

…Sie kommen direkt an dem großen Marktplatz in der Innenstadt vorbei. Als Stella die wunderschönen, alten Häuser sieht und die gut erhaltenen Pflastersteine, die Geschäfte und den Brunnen im Zentrum des Platzes, sehnt sie sich nach ihrer Geige. Aber sie sagt nichts. Sie sieht auch nicht die riesige Leinwand, die an einer Hauswand aufgestellt ist und auf der unablässig Nachrichten ausgestrahlt werden. Bernd bleibt wie angewurzelt stehen und weil er Stella an der Hand hält, stolpert sie beinahe.

„… und in Stenland gibt es keine bestehende Armee mehr. In den letzten Tagen sind 200.000 Menschen – vermutlich an HELK – erkrankt und die meisten sind bereits umgekommen. Die Berufsgruppe, die am häufigsten betroffen ist, sind Soldaten. Dahinter ist der Krieg in Ainastan und den Nachbarstaaten völlig zum Erliegen gekommen!“ …

… aber auch sonst hat sich HELK unter der Zivilbevölkerung massiv ausgebreitet. Je älter die Menschen sind, desto mehr sind betroffen. Tausende Wissenschaftler suchen in den Laboren nach den unbekannten Erregern von HELK. Sie vermuten eine aggressive Mutation eines exotischen Virus, der der eingeschleppt sein könnte. …

So tönt es aus dem Lautsprecher: … „Die Bevölkerung wird aufgerufen, nur mit Mundschutz in die Öffentlichkeit zu gehen und die Hände nach jedem Kontakt mit Menschen zu desinfizieren. Das hierzu benötigte Material wird kostenlos zur Verfügung gestellt und ist in allen Apotheken, in allen öffentlichen Schulen, Büros, Ämtern und sonstigen Einrichtungen zu erhalten. Wir bitten die Bevölkerung dringend um Mithilfe! Es ist zu ihrer eigenen Sicherheit!“ …

… dann bricht ein solcher Tumult aus, dass Bernd sich gezwungen sieht, Stella mit sich an eine Hausmauer zu ziehen, damit sie nicht von allen Seiten erdrückt werden. Menschen schreien durcheinander; Glasscheiben splittern, Chaos bricht aus. Wer einen Mundschutz hat, dem wird er fortgerissen, Mütter suchen ihre Kinder. Bernd weiß instinktiv, dass dies alles erst der Anfang ist. …

Ereignisse auf dem Marktplatz: (Seite 252)

… Das Bild auf der Leinwand beginnt zu flackern.

Dann erscheint das Bild eines Nachrichtensprechers, der sagt: „Meine sehr geehrten Zuhörer und Zuhörerinnen, die rätselhafte Krankheit HELK versetzt uns alle seit Monaten in Angst, heute wir eine sensationelle Wende im Kampf gegen die Seuche gemeldet. Wir schalten dazu in das führende Forschungslabor des Landes, wo sich unser Gesundheitsminister gerade über die neuesten Entwicklungen informiert. Er wird in einer Liveübertragung zu den Bürgern sprechen.“

Das Bild wechselt vom Nachrichtensprecher zu einem geschniegelten Herrn in weißem Kittel: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Ich bin glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass HELK bald besiegt sein wird. Endlich ist es den weltgrößten Forschungszentren gelungen, einen Impfstoff gegen HELK zu entwickeln. Unser Landeslabor war entscheidend daran beteiligt und nun läuft die Produktion des Impfstoffes Antihelk auf Hochtouren.“ …

… „Binnen einer Woche wird der Impfstoff an alle Krankenhäuser und Arztpraxen verteilt sein. Jeder Bürger und jede Bürgerin bekommt schriftlich mitgeteilt, wo und wann er oder sie zur Impfung zu erscheinen hat. Wer geimpft ist, erhält eine blaue Plakette, die auf der Kleidung zu tragen ist; nur sie berechtigt zur Teilnahme am öffentlichen Leben. Zuwiderhandlungen werden mit Zwangsinternierung in einem Lager bestraft. Da HELK hochansteckend ist, muss weiterhin in der Öffentlichkeit Schutzkleidung getragen werden. Desinfizieren Sie sich weiterhin, wenn Sie Ihre Wohnung verlassen oder diese aufsuchen. Bis die Impfaktion abgeschlossen ist, bleiben alle öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Bibliotheken, Universitäten, Ämter und alle Treffpunkte wie z. B. Restaurants, Sportvereine, geschlossen, Besse und Bahnen fahren nicht. Liebe Zuhörer, heute ist ein glücklicher Tag! Wir werden HELK besiegen! Bleiben Sie gesund!“

Als der Nachrichtensprecher selber zu husten beginnt, geht es weiter:

… „Dem hat der Impfstoff aber noch nicht geholfen! Der wird bestimmt nichts taugen! Mit dem wollen sie uns nur ruhigstellen! Aber wir wollen die Wahrheit wissen, die ganze Wahrheit!“ Sie hebt die Hände und ruft voller Überzeugung in die Menge: „Wir werden uns wehren! Wir werden nicht klein beigeben! Wir werden die Krankheit besiegen, auch wenn der Impfstoff nichts taugt.“

Ihr Mann versucht sie zu beruhigen, was ihm nicht gelingt.

… „Die lügen uns an!“ fällt sie ihm ins Wort. Sie schreit jetzt schon wieder.

Sofort sind zwei Security-Leute bei ihr und zerren sie rasch von ihrem Mann weg. Dieser versucht vergeblich ihr zu folgen, die Wachleute stoßen ihn aber zur Seite und durch die dicht stehenden Menschen kommt er nicht schnell genug weiter. … Dann hört man einen Schuss und plötzlich ist es totenstill. …